Pashupatinath – Verbrennung der Toten

Ungefähr eine Stunde braucht der Spaziergänger, um vom Stadtzentrum Kathmandus nach Pashupatinath zu gelangen. Hat man erstmal die richtige Straße gefunden,

geht es irgendwie immer geradeaus. Vorbei an durchaus lustigen Schildern

Parties-R-Uss (mit Doppel-S)

an einem Haus, von dem ich leider vergessen habe, wofür es dort steht,

 

einem hübschen, kleinen Wasserbecken.

Manche Ecken sind nicht ganz so schön

und Nebenstraßen entsprechen nicht immer den Vorstellungen des deutschen Globetrotters.

 

Irgendwann erstreckt sich dann plötzlich das Tal vor dem sonnengewärmten Wanderer und sieht aus der Ferne nicht aus wie ein Ort, an dem sich die Verstorbenen in Rauch, Asche und zur Reinkarnation bereitstehende Seelen aufteilen.

 

Am Eingang werden Unmengen Holz vorbereitet. Die ganze Verbrennungsaktion ist ein sehr holzintensives Unterfangen. Das verwendete Holz brennt lange und heiß genug um den Körper bestmöglich zu durchdringen. Wer will schon Opas Füße am Ende übrig haben?

 

Die allgegenwärtige Heilige Kuh

 

Ein erotisch angehauchter Tempel:

 

 

Wasserverkäuferinnen, Helfer für den Holztransport und einen Sadhu, das Pendant zum buddhistischen Brahmanen.

 

Das Flüsschen, an dem die Zeremonie abgehalten wird, ist der Bagmati, in Indien wird er durch viele Nebenflüsse immer größer und heißt dort schließlich Ganges, ist also der heilige Fluß der Hindus.

 

Das Auge einfach flußabwärts gewendet, offenbart sich der Blick auf’s Geschehen

Eine Verbrennungsplattform neben der anderen. Irgendwo raucht es immer. Bei meinem Besuch waren 4 Plattformen parallel in Betrieb, nach dem Erdbeben mit den vielen Toten dürfte hier noch viel mehr Betrieb geherrscht haben. Es gibt nämlich die eine wichtige Regel, um seine Seele zu retten: nach dem Tod muß der Körper innerhalb von 12 Stunden verbrannt werden.

Ich habe mir das Ereignis mal von oben angesehen. Übrigens hat niemand der Anwesenden ein Problem mit fremden Zuschauern, solange man ihnen nicht durch die Gruppe wandert, sich respektlos zeigt oder anderweitig störend in Erscheinung tritt.

Der Wind hat es gut mit mir gemeint und sich spontan gedreht. Und schon war ich mitten im Geschehen.

 

Wer sich jetzt fragt: „Stinkt das nicht gar fürchterlich nach Fett, Grillfleisch oder sonstwie eklig?“, dem kann ich sagen, es riecht wie ein ausgeblasenes Streichholz. Mehr nicht!

Den Ablauf einer Verbrennung konnte ich hier für euch festhalten.

Das Holz wird aufgestapelt

 

Der Tote (hier mit weiß umhüllten Füßen und bloßem Kopf) wird auf den Holzstapel gelegt. Alle männlichen Verwandten sind versammelt.

 

Auf die Augen werden Blumen gelegt, der Körper wird mit Stroh zugedeckt.

 

 

und alles wird unten angezündet

 

Schwupp – fertig:

 

Wenn man sich etwas ungeschickter anstellt, kann der Tote für den Scheiterhaufen durchaus etwas zu lang ausfallen. Das sieht dann so aus. (klickt auf das Foto für eine größere Auflösung)

Ein wenig verstörend für mich war die Tatsache, daß der Feuermeister (sitzt mit seiner weißen Hose hinter dem Rauch) nach einer Weile den angelehnten langen Bambusstab nahm und die Füße zur Mitte schob. Ich weiß nicht, wieso ich erwartet hatte, daß dadurch am anderen Ende der Kopf nach oben rutscht, aber das passierte natürlich nicht, weil sich die Mitte des Herrn schon in Rauch aufgelöst hatte.

Die Kinder wandern hier mit großen Magneten durch das seichte Wasser und angeln nach Metall.

 

Und während am anderen Ufer die weiblichen Verwandten die im Anschluß stattfindende Verbrennung des Bauchnabels (hat man mir erklärt) zelebrieren

 

bastelt ein Sadhu aus Blättern und Früchten ein kleines Schiffchen, in dem die Seele des Verstorbenen flussabwärts davongetragen wird.

 

Weit kommt die Seele aber nicht. Auf den Dächern der Verbrennungsplattformen sitzen Affen und lassen sich mit lautem Platschen in den Fluss fallen um sich die Früchte zu schnappen.

Schaut euch mal den rechten der beiden Affen an, der auf der untersten Dachstrebe sitzt:

weg isser. Stattdessen seht ihr ihn hier gerade oberhalb der Scheiterhaufen vorbeifliegen:

 

und schon fliegt er weiter – hier ungefähr links von der Pappkiste, die auf der Plattform steht

platsch

Und auf zur nächsten Runde.

 

Außer der Verbrennerei passiert noch mehr in Pashupatinath.

Sadhus segnen gegen kleine Spenden.

 

Und man kann sich sogar mit ihnen auf englisch unterhalten

und von hinten in ihre Wohnung schauen

Das Symbol der Sadhus ist übrigens der Dreizack:

 

Den Kühen ist Heiligkeit wichtiger als Eiligkeit.

Die brauchen keine Angst vor dem Schlachthaus zu haben. Tote Kühe werden hier begraben.

Mein Herumführer, der sich für’s Foto extra nachdenklich hingestellt hat.

 

Mein Lieblings-Hindu-Gott Hanuman

 

Vor jedem der zahllosen kleinen Tempel sitzt eine Steinkuh. Sie ist das Transportmittel von Shiva, der hierherkam um sich mit Frauen zu treffen. Was er dann mit ihnen gemacht hat, wissen wir nicht. Man steckt ja nicht drin.

Jeder Tempel sieht ein bißchen anders aus, aber alle sind schön anzuschauen.

 

Und neben jedem Eingang ist irgendwo eine Glocke, die man läuten muß, bevor man einen Tempel betritt. Wozu? Falls Shiva drin ist und was-auch-immer dort tut, hat er wenigstens noch etwas Zeit sich etwas anzuziehen.

 

Als ich diesen Hund dort oben übrigens fotografiert habe, bin ich einen Schritt vor ihm zurückgegangen. Mit dem Drücken des Auslösers für dieses Foto

bin ich in seinen Haufen getreten. Man sieht ihn auf dem oberen Foto übrigens neben ihm. Ich glaube, ein Grinsen im Hundegesicht erkannt zu haben. An der Girlande seht ihr, daß das Foto noch am Tag des Hundes aufgenommen wurde, den ich im Kathmandu-Artikel schon erwähnt hatte.

 

Andere bunt bemalte Hunde feierten ihren Feiertag durch ausgiebigen Mittagsschlaf.

 

 

Wie dieser Kollege an den Ecken einiger Tempel heißt, habe ich vergessen.

 

 

Aber neben dem Eingang trifft man gelegentlich auf diesen Herrn

und diese Dame

 

 

Ein schöner Ausblick

 

Zum Abschluß meines kleinen Ausflugs in den Bezirk der Toten noch einige Fotos von Affen, die mir wirklich gut gefallen haben.

Mutter und Kind

 

 

der Sphinx-Affe

 

 

überall sind sie unterwegs

 

mein Keks-Kumpel

oh, ein Vögelchen

 

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Kategorien: 2014, Allgemein, Nepal, Pashupatinath | Schlagwörter: , , , , , , | Ein Kommentar

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Ein Gedanke zu „Pashupatinath – Verbrennung der Toten

  1. Du schreibst mit einem wunderbaren Humor! Ich war noch nie in diesem Land und weiß so wenig darüber. Danke für die Eindrücke und aufschlussreichen Bilder. Das vom Hund in Orange mag ich besonders, die Geschichte dazu auch. So ist, Schritt zurück, ab in die Sch…. Liebe Grüße Erika

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